Die Teutoburger Wald-Eisenbahn
Josef Högemann
Der Stilllegung entgangen:
Eine westdeutsche Privatbahn auf neuen Wegen
2026, 192 Seiten mit 285 Abbildungen, 210 x 297 mm,
EK-Verlag Freiburg,
ISBN 9783844664508,
Preis 39,90 Euro
Lange Zeit haben Eisenbahnfreunde auf dieses Buch gewartet – nun ist es endlich erschienen: Die traditionsreiche Teutoburger Wald-Eisenbahn mit ihrem immerhin rund 100 Kilometer langen Streckennetz zwischen Ibbenbüren und Hövelhof erschließt das nordöstliche Westfalen am Rande des namensgebenden Mittelgebirgskamms und gehört zu den längsten nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland. Viele Jahre lang war sie für den Personen- und Güterverkehr in der Region unverzichtbar, doch der ungleiche Wettbewerb zwischen Schiene und Straße erzwang bis 1978 auch hier die schrittweise die Aufgabe des Schienenpersonenverkehrs. Nach mehrfachen Eigentümerwechseln in der jüngeren Vergangenheit wurde 2010 schließlich der Fortbestand der gesamten Strecke in Frage gestellt. Zu einer Stilllegung kam es in dieser schwierigen Situation aber nicht. Inzwischen wird der nördliche Streckenteil zwischen Ibbenbüren/Hafen Saerbeck und Versmold seit 2015 von der Lappwaldbahn Service GmbH betrieben, während die Infrastruktur zwischen Versmold, Gütersloh und Hövelhof im Jahr 2024 von der RDC-Deutschland Gruppe übernommen wurde. Und es bestehen sogar gute Chancen, dass Teile der Gesamtstrecke neben ihrer Funktion als Güterverkehrstrasse wieder von regelmäßigen Personenzügen im Regionalverkehr befahren werden.
In insgesamt neun Kapiteln beleuchtet das Buch die komplette Geschichte der TWE – vom Bau und der Eröffnung über die Verkehrsentwicklung der letzten Jahrzehnte bis hin zur bevorstehenden Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl und den Machbarkeitsstudien zu möglichen weiteren SPNV-Reaktivierungen insbesondere im Nordabschnitt. Weitere umfangreiche und sehr gut aufgearbeitete Kapitel beschreiben den Fahrzeugbestand von Lokomotiven, Trieb- und Beiwagen, Personen-, Post-, Gepäck- und Güterwagen sowie die Betriebsstellen. Hier werden nicht nur die Verkehrsstationen, sondern auch die zahlreichen Gleisanschlüsse dokumentiert. Wer hätte gedacht oder wusste, dass es in Gütersloh einst einen Anschluss Städtische Sparkasse oder einen Anschluss Schulbankfabrik Harlinghausen gab? Allein diese Recherchen müssen eine echte Fleißarbeit gewesen sein. Im Kapitel „Unfall- und Schadenstatistik“ sind Auszüge aus TWE-Unfallprotokollen nachzulesen. Auch dem bis heute stattfindenden Nostalgieverkehr auf der TWE durch den Eisenbahn-Tradition e.V. ist ein Abschnitt im Buch gewidmet. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen brillant reproduzierten Farb- und S/W-Fotos aus allen Epochen der Bahngeschichte. Wahre Augenweiden sind hier beispielsweise die vielen S/W-Aufnahmen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die den Betriebsalltag im Personen- und Güterverkehr u.a. an den Stationen Gütersloh Sunderweg, Gütersloh Carl-Mielestr., Marienfeld, Tecklenburg und Lengerich Stadt mit ihren Empfangsgebäuden und Wartehallen dokumentieren. Diese Aufnahmen, wie auch viele andere, laden geradezu ein zum Betrachten nicht nur der Züge, sondern auch der Menschen, Gebäude und Straßenfahrzeuge jener Zeit ein.
Eisenbahnfreunde, die einen umfassenden Einblick in die Geschichte der TWE suchen kommen um den Erwerb dieses ausgezeichneten Buches nicht umhin: Absolut empfehlenswert! (ms)