Die Krokodile bleiben auf dem Berg - Ibbenbürener Zechenloks haben Zukunft vor Ort
Wandel und Traditionspflege im Ibbenbürener Revier: Nach dem Ende des Kohlebergbaus in Ibbenbüren ging das Gelände der Zeche von Oeynhausen auf dem Ibbenbürener Schafberg in die Umwandlung zum Gewerbegebiet „I-NOVA Park“. Nach dem weitgehenden Rückbau der Übertageanlagen stand lange die Frage im Raum, was mit den beiden Elektrolokomotiven der Zechenbahn geschehen soll, die, inzwischen denkmalgeschützt, in ihrem Lokschuppen der Dinge harrten, die da kommen sollten.
Am 3. Dezember 2025 schließlich war die „Allgemeine Vorlage Nr. 168/2025: Umgang mit zwei historischen, denkmalgeschützten E-Lokomotiven und dem Lokschuppen auf dem I-NOVA Park Gelände“ auf der Tagesordnung für die Sitzung des Bau- und Infrastrukturausschusses der Stadt Ibbenbüren. Beschlussvorschlag: Der Rat beschließt die denkmalgeschützten Lokomotiven in dem bestehenden Lokschuppen im I-NOVA-Park zu belassen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen und am 17. Dezember 2025 in der Ratssitzung beschlossen.
Vorangegangen war der Entscheidungsfindung ein längerer Prozess des Abwägens realistischer Alternativen. Mit den Lokomotiven bleibt auch der Lokschuppen erhalten, der nun zusätzlich den früher im Ibbenbürener Bergbaumuseum ausgestellten Dampfhaspel aufnehmen wird, einem markanten und bekannten Sachzeugen der Ibbenbürener Bergbaugeschichte.
Die Alternativen: Der ursprüngliche Plan war, die Lokomotiven an interessierte Institutionen wie Museen oder Sammler zu geben. Damit wäre der Lokschuppen zunächst obsolet geworden und die Fläche hätte für neues Gewerbe veräußert werden können. Zwei Faktoren sprachen dagegen: Der Finanzbedarf für Transport und Unterhaltung sowie der Denkmalschutz, der im Falle einer Veräußerung oder auch dauerhaften Leihe einen Kulturverlust sah.
Am Ende stand denn auch nur noch ein konkreter Interessent zur Verfügung: Das ABE-Museum in Ankum. Die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn GmbH unterhält an ihrem Sitz in Ankum, etwa 35 Kilometer von Ibbenbüren entfernt, ein kleines Mobilitätsmuseum. Hier konnte man sich vorstellen, die Lokomotiven leihweise zu übernehmen und auch das Stahlgerüst des Lokschuppens in Ankum wieder zu verwenden. Da Geld aber auch in Ankum knapp ist, wäre die Stadt Ibbenbüren zunächst gefragt gewesen, den Transport zu bezahlen. Beim Blick in die Zukunft und einer späteren Rückholung wäre dann zwingend der Neubau eines passenden Gebäudes in Ibbenbüren notwendig gewesen. Das wäre zwar auch im I-NOVA-Park möglich, aber mit erheblich mehr Finanzbedarf verbunden gewesen. Denn in dieser Variante wäre für den Dampfhaspel ein eigenes Dach über dem Kopf erforderlich geworden – in der Vorlage beziffert mit 340.000 EUR und, salopp gesagt, ein „Schneewittchensarg“ auf dem Gelände des Knappenvereins Tecklenburger Land.
Dieser hat sein Domizil am Rande des Zechengeländes, in der Nachbarschaft zu den teils auch denkmalgeschützten Gebäuden rund um Schacht 1. Insgesamt kam die Variante „Abgabe der Loks“ in der Vorlage auf rund 415.000 EUR. Eine künftig notwendige Rückholung samt Schuppenneubau wurde mit weiteren rund 565.000 EUR angegeben – die langfristig mit Abstand teuerste Variante.
Die Option eines unmittelbaren Neubaues zur Unterbringung von Loks und Haspel wäre ebenfalls denkbar gewesen, aber mit insgesamt 616.000 EUR fast dreimal so teuer wie der nun beschlossene Verbleib an Ort und Stelle mit insgesamt rund 201.000 EUR. Darin enthalten u.a. 77.000 EUR für die Sicherung des bestehenden Lokschuppens und 114.000 EUR als Opportunitätskosten des Flächenverlustes für neues Gewerbe.
Positiv dabei vor allem die räumliche Nähe zum Gelände des Knappenvereins mit der Möglichkeit, die hier vorhandenen Sachzeugen des Ibbenbürener Bergbaues vereint zu präsentieren. Als Denkmal ist zudem die Dampffördermaschine von Schacht 1 am Originalstandort vorhanden, eine touristische Erschließung des Bereiches somit gut machbar. Und etwas Grubenbetrieb bleibt ebenfalls am Ort erhalten: Schacht 1 ist noch bis auf eine Teufe von 100 Metern (bzw. 63 mNN) erhalten, da hier der Ausgangspunkt des neu erbauten Grubenwasserkanals liegt, der die anfallenden Wässer des früheren Ostfeldes fasst und zum Westrand der Ibbenbürener Bergplatte abführt.
Die gefundene Lösung ist ein Kompromiss, vermag jedoch den Verlust des Bergbaumuseums Ibbenbüren in seiner langjährigen Form nur teilweise aufzufangen. Dieses war seit 1990 in der Turbinenhalle des alten Zechenkraftwerkes aus den 1950er Jahren untergebracht. 2020 erfolgte die Schließung und bis Frühjahr 2025 die Räumung, Exponate wurden zunächst eingelagert, einzelne Objekte bereits abgegeben. Bemühungen, die Traditionspflege im Rahmen des Förderprogramms „Dritte Orte“ in größerer Form neu aufzustellen, scheiterten im Frühjahr 2025 allerdings. Die finanziellen und rechtlichen Anforderungen waren für die Ehrenamtlichen aus mehreren Vereinen schlicht zu groß.
(Text: Michael Wernke)